
Die Gita, wie sie in Indien der Kürze halber genannt wird, spielt inmitten eines Erbfolgekriegs zwischen Cousins. Die 100 Söhne des blinden Dhritarâshtra verweigern ihren Cousins, den fünf Söhnen des Pându, das anteilige Erbe. Die 100 Brüder und die fünf Brüder waren zusammen auf demselben Königshof aufgewachsen, da Pandu, der Vater der Fünf, früh aufgrund eines Fluchs gestorben war. Der Anführer der 100 Brüder war Duryodhana. Er schaffte es schließlich, seine Rivalen, die fünf Brüder, auszutricksen und diese in die Verbannung zu schicken. Duryodhana wurde danach König.
Alle Jungen hatten zusammen die Kriegskunst bei dem Brahmanen Drona gelernt. Duryodhana redet Drona am Anfang der Gîtâ dementsprechend mit „oh Lehrer“ an. Eine weitere sehr verehrte Person ist Bhîshma, der Urgroßonkel der Cousins, der sich immer um alles gekümmert hatte. Er wird in der Gîtâ der Großvater, der majestätische Alte von Stamme der Kurus, genannt
Als die fünf Brüder aus der Verbannung zurückkehrten und wie abgemacht ihren Anteil des Königreichs erhalten wollten, verweigerte Duryodhana dies. Beide Parteien versammelten schließlich jeweils eine Armee und es kam zur Schlacht von Kurukshetra. Da Drona und Bhîshma am Hof des Königs Duryodhana lebten, sahen sie sich genötigt, auf seiner Seite zui kämpfen. Duryodhanas alter blinder Vater Dhritarâshtra wurde durch den hellsichtigen Seher Sanjaya über das Kampfgeschehen auf dem Laufenden gehalten. Die Gîtâ ist nichts anderes als Sanjayas Bericht.
Der beste Bogenschütze unter den fünf Pându-Söhnen ist Arjuna, es ist aber nicht der stärkste, das ist sein Bruder Bhîma. Arjuna kämpft auf einem Streitwagen. Sein Wagenlenker ist sein Freund Krishna, der Fürst eines Nachbarreiches. Da sich Krishna beiden Streitparteien verpflichtet fühlte, wollte er nicht aktiv mitkämpfen, sondern wählte die Aufgabe des unbewaffneten Wagenlenkers an der Seite seines Freundes. Die Gita ist das Gespräch der beiden Freunde Krishna und Arjuna kurz vor dem Beginn der Schlacht.

Krishna und Arjuna entstammen der Kriegerkaste. Zum dem betrachteten Zeitpunkt dürften beide um die 45 Jahre alt gewesen sein, da sie einerseits erwachsene Söhne hatten, die mitkämpften, und andererseits noch in der vollen körperlichen Kraft eines Kriegers standen.
Im Lauf des Gesprächs gibt sich Krishna als Gottheit zu erkennen (11. Kapitel). Wenn er spricht, steht im Text „Srî Bhagavân sprach“, also etwa, der Herrliche / Glückliche / Majestätische sprach.

Die Gita beinhaltet 700 Verse in 18 Kapiteln. Es folgen die wichtigsten Verse des ersten Kapitels:

Om, dem glückverheißenden höchsten Selbst Verneigung.
Hier beginnt der glorreiche Gesang des Herrlichen, erstes Kapitel.
Dhritarâshtra sprach —
Auf dem Feld des Dharma, zu Kurukshetra, was taten dort die Meinen und die Pandu-Söhne, als kampfbegierig sie zusammenkamen, Sanjaya? (1:1)
Sanjaya sprach —
Als aber Duryodhana, der König, die ausgedehnte Front der Pândavas sah, trat er an seinem Lehrer heran und sagte dieses Wort: (1:2)
O Lehrer, sieh diese große Division der Pându-Söhne, aufgestellt von Drupadas Sohn, deinem gelehrigen Schüler. (1:3)
Dort sind tapfere Bogenschützen, dem Bhîma und Arjuna im Kampfe ebenbürtig, Yuyudhâna, Virâta und Drupada mit dem großen Streitwagen. (1:4)
Aber auch die Ausgezeichneten der Unseren nimmt wahr, o Bester der Brahmanen. Die Anführer meiner Truppen nenne ich dir informationshalber. (1:7)
Eure Exzellenz, Bhîshma und Karna und der im Kampf siegreiche Kripa, und auch Asvatthâmâ, Vikarna und ebenso der Somadatta-Sohn. (1:8)
Und zahlreiche andere Helden, die um meinetwillen ihr Leben riskieren, die mit verschiedenen Waffen angreifen, alle kampferfahren. (1:9)
Ungenügend ist unsere Stärke, selbst unter Bhîshmas Kommando, aber ausreichend ist deren Kraft, die von Bhîma geleitet wird. (1:10)
Deshalb, all ihr Herrschaften!, an allen Zugängen sollt ihr, jeder entsprechend seiner Stationierung, auf jeden Fall den Bhîshma beschützen. (1:11)
Um bei Duryodhana Kampfeslust hervorzurufen, steiß der greise Kuru-Ahnherr ein Löwengebrüll aus und bließ laut in sein Muschelhorn, ganz feurig. (1:12)
Dann wurden mächtig die Muschelhörner und Kesselpauken, kleine und große Trommeln und die Jagdhörner angeschlagen und der Lärm war gewaltig. (1:13)
Daraufhin bließen laut in ihre himmlischen Muschelhörner Krishna und Arjuna, die auf einem großen mit weißen Pferden bespannten Streitwagen standen. (1:14)
Dieser Lärm zerriss die Herzen der Dhritarâshtra-Söhne und der Tumult brachte Himmel und Erde zum Vibrieren. (1:19)
Als Arjuna, der einen Affen im Banner trug, die Dhritarâshtra-Söhne in Kampfaufstellung sah und der Waffengang anstand, erhob er seinen Bogen. (1:20)
Zu Krishna sagte er dann dieses Wort, o König:
Arjuna sprach —
In der Mitte beider Armeen bringe meinen Wagen zum Stehen, Krishna, (1:21)
sodass ich erkenne, wer kampfbegierig aufgestellt ist, und mit wem allem ich zu kämpfen habe bevor die Schlacht beginnt, (1:22)
dass ich die Kampfbereiten sehe, die hier zusammengekommen sind, und die beabsichtigen, dem übelgesonnenen Dritarâshtra-Sohn im Kampf einen Dienst zu leisten. (1:23)
Sanjaya sprach —
Also angesprochen von Arjuna, o König, brachte Krishna den erstklassigen Streitwagen in der Mitte beider Armeen zum Halten. (1:24)
Und im Angesicht von Bhîshma und Drona und aller Erdenfürsten sagte er: „Arjuna, sieh diese zusammengekommenen Kurus!“ (1:25)
Dort sah Arjuna Vaterbrüder und Großväter stehen, Lehrer, mütterliche Onkel, Cousins, Söhne, Kleinsöhne und Freunde. (1:26)
Schwiegerväter wie auch Freunde, zudem in beiden Heeren, diese Verwandten sah Arjuna alle aufgestellt. (1:27)
Von äußerstem Mitgefühl erfasst sagte er verzweifelt dieses:
Arjuna sprach —
Die eigene Familie zum Kampf aufgestellt sehend, (1:28)
ermatten meine Glieder, mein Mund trocknet aus, ein Zittern erfasst meinem Körper, und es sträuben sich mir die Haare. (1:29)
Ich wünsche weder den Sieg, Krishna, noch das Königreich, noch Glück. Was soll ich mit dem Königreich, Krishna, was soll ich mit Genüssen oder gar mit dem Leben? (1:32)
Die, um derenwillen wir Königreich, Genüsse und Annehmlichkeiten ersehnen, die haben sich zum Kampf aufgestellt, Leben und Gütern entsagend. (1:33)
O Schande, wir sind entschlossen ein großes Übel zu tun, indem wir, durch Gier nach Königreich und Glück, bereit sind, die eigene Familie zu töten. (1:45)
Es wäre mir lieber, wenn mich, wiederstandlos und unbewaffnet, die Waffen tragenden Dhritarâshtra-Söhne töten würden. (1:46)
Sanjaya sprach —
So gesprochen habend, ließ sich Arjuna in der Schlacht auf den Wagensitz nieder, warf Bogen samt Pfeilen fort, den Geist von Trauer überwältigt. (1:47)
Om ist das Wahre. Also lautet das erste Kapitel in den berühmten Gesängen des Herrlichen, den Geheimlehren, der Brahmanwissenschaft, dem Yogalehrbuch, dem Gespräch zwischen Srî Krishna und Arjuna, genannt Arjunas Verzweiflung.
nur Übersetzung: 1 21-53 254-72 3 4 5 12 15 mit Sanskrit: Gîtâdhyânam 1 21-53 254-72 3 4 5 12 15