Bhagavad-Gîtâ, Kap 8, Akshara-Brahma-Yoga, grammatische Analyse

Bhagavad-Gita, indische Ausgabe
Indische Ausgabe der Bhagavad-Gita

(Vorläufige Übersetzung, die ab und zu verbessert wird.) Einleitung

Nur Übersetzung:

 Kap.1    2 (1.Teil)   2 (2.Teil)   3    4    5    6    7    8    9    10    11    12    13    14    15    16    17    18  

Wort-für-Wort grammatische Analyse des Sanskrittexts:

Gita-Dhyanam   Kap.1    2 (1.Teil)    2 (2.Teil)    3    4    5    6    7    8    9    10    11    12    13    14    15    16    17    18 

oṃ śrīparamātmane namaḥ |
athāṣṭamo 'dhyāyaḥ ||

Om, dem glückverheißenden höchsten Selbst Verneigung.
Hier beginnt das achte Kapitel.

arjuna uvāca |
kiṃ tad brahma kim adhyātmaṃ   kiṃ karma puruṣottama |
adhibhūtaṃ ca kiṃ proktam   adhidaivaṃ kim ucyate || 8:1 ||

kiṃnom sg nwas
tadnom sg ndas
brahmanom sg nBrahman
kimnom sg nwas
adhi-ātmamnom sg nÜberselbst, höheres Selbst, Grundlage des Selbst
kimnom sg nwas
karmanom sg nHandlung
puruṣa-uttamavoko höchstes Wesen
adhi-bhūtamnom sg nwas die Geschöpfe regiert, sinnlicher Bereich, Basis des Physischen
ca und
kiṃnom sg nwas
pra-uktamnom sg n pppwird genannt/gelehrt, gilt als
adhi-daivamnom sg nhöchste Gottheit, was die Götter regiert, Grundlage des subtilen Niveaus
kimnom sg nwas
ucyate3 p sg passwird genannt

Arjuna sprach —
Was ist das Brahman, was das höhere Selbst, was ist Karma, Krishna? Was gilt als das, was die Geschöpfe regiert und was als das, was die göttliche Welt regiert?

adhiyajñaḥ kathaṃ ko 'tra   dehe 'smin madhusūdana |
prayāṇa-kāle ca kathaṃ   jñeyo 'si niyatātmabhiḥ || 8:2 ||

adhi-yajñaḥnom sg mDie Grundlage der Weihehandlung
katham wie
kaḥnom sg mwer
atra hier
dehelok sg nim Körper
asminlok sg nin diesem
madhusūdanavoko Madhu-Töter
prayāṇa-kālelok sg mzur Todesstunde
ca und
kathaṃ wie
jñeyaḥnom sg m gerundivzu erkennen
asi2 p sg präsdu bist
ni-yata-ātmabhiḥinst pl mvon den gezügelten Selbsten

Wer steht auf welche Art über der Weihehandlung hier in diesem Körper, Krishna. Und zur Todesstunde, wie bist du zu erkennen von denen, deren Geist gezügelt ist?

śrī-bhagavān uvāca |
akṣaraṃ brahma paramaṃ   svabhāvo 'dhyātmam ucyate |
bhūta-bhāvodbhava-karo   visargaḥ karma-saṃjñitaḥ || 8:3 ||

a-kṣaramnom sg ndas unvergängliche
brahmanom sg nBrahman
paramamnom sg nhöchste
sva-bhāvaḥnom sg meigene Natur
adhi-ātmamnom sg nhöchste Selbst, Überselbst
ucyate3 p sg präs passgenannt
bhūta-bhāva-udbhava-karaḥnom sg mdas Entstehen der Seins-Zustände bewirkend
visargaḥnom sg mdas in die Manifestation entlassen, Schöpfung, Projektion
karma-saṃ-jñitaḥnom sg mals Karma bekannt

Der Herrliche sprach —
Das Unvergängliche ist das höchste Brahman, dessen Wesen das höhere Selbst genannt wird. Der Schöpfungsprozess, der die Entstehung der Daseinszustände der Geschöpfe bewirkt, wird als Karma bezeichnet.

adhibhūtaṃ kṣaro bhāvaḥ   puruṣaś cādhidaivatam |
adhiyajño 'ham evātra   dehe deha-bhṛtāṃ vara || 8:4 ||

adhi-bhūtamnom sg ndie Grundlage materieller Objekte
kṣaraḥnom sg mvergänglich
bhāvaḥnom sg mWesen(szustand)
puruṣaḥnom sg mder Geist
ca und
adhi-daivatamnom sg nGrundlage des Göttlichen, das Über-Göttliche
adhi-yajñaḥnom sg mGrundlage der Weihehandlung, das über der Weihehandlung stehende
ahamnom sgich
eva in der Tat
atra hier
dehelok sg nim Körper
deha-bhṛtāṃgen pl mder Körper-Tragenden
varavokbester

Die materielle Welt wird vom vergänglichen Sein bestimmt. Die göttliche Welt wird vom bewussten Prinzip bestimmt. Über der Weihehandlung stehe ich selbst, hier in diesem Körper, o Bester der Verkörperten.

anta-kāle ca mām eva   smaran muktvā kalevaram |
yaḥ prayāti sa mad-bhāvaṃ   yāti nāsty atra saṃśayaḥ || 8:5 ||

antakālelok sg mam Ende der Zeit
ca und
māmakk sgmich
eva in der Tat
smarannom sg m ppräserinnernd
muktvāabsolutivbefreit
kalevaramakk sg nvom Körper
yaḥnom sg mwer
pra-yāti3 p sg präsfortgeht
saḥnom sg mder
mad-bhāvamakk sg mzu meinem Seinszustand
yāti3 p sg präsgeht
na nicht
asti3 p sg präsist
atra hier
saṃśayaḥnom sg mZweifel

Und wer sich an mich erinnert am Lebensende, wenn er den Körper verlässt und fortgeht, der geht zu meinen Seinszustand, da gibt es keinen Zweifel.

yaṃ yaṃ vāpi smaran bhāvaṃ   tyajaty ante kalevaram |
taṃ tam evaiti kaunteya   sadā tad-bhāva-bhāvitaḥ || 8:6 ||

yam yamakk sg mwen auch immer
 oder
api auch
smarannom sg m pprässich erinnernd
bhāvamakk sg mSeinsweise
tyajati3 p sg präsverlässt
antelok sg mam Ende
kalevaramakk sg nden Körper
tam tamakk sg mzu genau den
eva in der Tat
eti3 p sg präsgeht er
kaunteyavokoh Kuntī-Sohn
sadā immer, jedesmal, dauerhaft
tad-bhāva-bhāvitaḥnom sg m ppp kauszu dieser Daseinsweise/ Wesenheit gemacht/ gefördert/ bestimmt

An welche Seinsweise auch immer man am Lebensende denkt, wenn man den Körper verlässt, zu dieser gelangt man, weil man sich dann diese Seinsweise ständig vergegenwärtigt, Arjuna.

tasmāt sarveṣu kāleṣu   mām anu-smara yudhya ca |
mayy arpita-mano-buddhir   mām evaiṣyasy asaṃśayaḥ || 8:7 ||

mayilok sgin mir
arpita-manaḥ-buddhiḥnom sg mhingegeben Gemüt und Verstand
māmakk sgmich
eva in der Tat
eṣyasi2 p sg futwirst du erlangen
a-saṃśayaḥnom sg mohne Zweifel
tasmātabl sgdeshalb
sarveṣulok pl mzu allen
kāleṣulok pl mZeiten
māmakk sgmich
anu-smara2 p sg imperativerinnere
yudhya2 p sg imperativkämpfe
ca und

Deshalb erinnere dich zu allen Zeiten an mich und kämpfe. Hast du Gemüt und Verstand mir hingegeben, wirst du zu mir kommen, zweifellos.

abhyāsa-yoga-yuktena   cetasā nānya-gāminā |
paramaṃ puruṣaṃ divyaṃ   yāti pārthānucintayan || 8:8 ||

abhyāsa-yoga-yuktenainst sg mdurch Verbindung mit dem Yoga der Übung
cetasāinst sg mdurch den Geist
na nicht
anya-gāmināinst sg mirgendwo anders hingehend
paramaṃakk sg mzum höchsten
puruṣaṃakk sg mWesen
divyaṃakk sg mgöttlichen
yāti3 p sg präsgeht
pārthavokoh Pṛthā-Sohn
anu-cintayannom sg m ppräsder Meditierende

Wer sich dem Yoga der Übung verschrieben hat, wessen Aufmerksamkeit nirgends sonst hingeht, dieser Meditierende geht zum höchsten göttlichen Wesen, Arjuna.

kaviṃ purāṇam anu-śāsitāram
aṇor aṇīyāṃsam anu-smared yaḥ |
sarvasya dhātāram acintya-rūpam
āditya-varṇaṃ tamasaḥ parastāt || 8:9 ||

kaviṃakk sg mder Seher
purāṇamakk sg mder alte
anu-śāsitāramakk sg mder Regierende
aṇoḥabl sg mals das Atom
aṇīyāṃsamakk sg mkleiner
anu-smared3 p sg optmöge erinnern, meditieren über
yaḥnom sg mjener
sarvasyagen sg mvon allem, jedem
dhātāramakk sg mder Unterstützer, Erhalter
a-cintya-rūpamakk sg mvon undenkbarer Gestalt
āditya-varṇamakk sg mvon der Farbe der Sonne
tamasaḥabl sg nvon der Dunkelheit
parastātadvjenseits

Wer sich erinnert an den alten Weltendichter und Weltenlenker, der kleiner ist als ein Atom, der alles aufrecht erhält, von unausdenkbarer Gestalt, jenseits der Dunkelheit von der Farbe der Sonne, …

prayāṇa-kāle manasācalena
bhaktyā yukto yoga-balena caiva |
bhruvor madhye prāṇam āveśya samyak
sa taṃ paraṃ puruṣam upaiti divyam || 8:10 ||

prayāṇa-kālelok sg mzur Zeit des Weggehens (Todes)
manasāinst sg ndurch das Gemüt
a-calenainst sg ndurch das nicht schwankende
bhaktyāinst sg fdurch Hingabe
yuktaḥnom sg mverbunden
yoga-balenainst sg ndurch Yoga-Kraft
ca und
eva in der Tat
bhruvoḥgen dual fvon den beiden Augenbrauen
madhyelok sg min der Mitte
prāṇamakk sg mder Lebensodem, die Lebenskraft
ā-veśyaabsolutiv kaushat eintreten lassen
samyakadvgleichzeitig, gleich gerichtet, auf einen Punkt gerichtet
saḥnom sg mer
tamakk sg mden
paramakk sg mhöchsten
puruṣamakk sg mPerson, Prinzip
upa-eti3 p sg prästrifft an, kommt zu
divyamakk sg mgöttlich

… wer zur Todesstunde mit unwankendem Gemüt, mit Hingabe verbunden und der Kraft des Yoga, das Prâna in die Mitte zwischen den Augenbrauen konzentriert zusammen zieht, der kommt zum höchsten göttlichen Wesen.

yad akṣaraṃ vedavido vadanti
viśanti yad yatayo vīta-rāgāḥ |
yad icchanto brahmacaryaṃ caranti
tat te padaṃ saṃgraheṇa pravakṣye || 8:11 ||

yatnom sg nwas
a-kṣaraṃakk sg nunvergänglich
veda-vidaḥnom pl mVeda-kennende
vadanti3 p pl prässagen
viśanti3 p pl prässie treten ein
yatakk sg nin was
yatayaḥnom pl mdie Strebenden
vīta-rāgāḥnom pl mderen Ledenschaft weggegangen
yatakk sg nwas
icchantaḥnom pl m ppräswünschend
brahma-caryamakk sg nEnthaltsamkeit
caranti3 p pl präsleben
tatakk sg ndas
tedat sgdir
padamakk sg nSache
sam-graheṇainst sg mganz, zusammengefasst, kurz
pra-vakṣye1 p sg futwerde ich dir sagen, dich lehren, dir erklären

Lass mich dir zusammengefasst den Seinszustand erklären, den die Vedakenner das Unvergängliche nennen, in den die von Leidenschaft befreiten Strebenden eintreten und aus Wunsch für den sie in Brahmacharya leben.

sarva-dvārāṇi saṃyamya   mano hṛdi nirudhya ca |
mūrdhny ādhāyātmanaḥ prāṇam   āsthito yoga-dhāraṇām || 8:12 ||

sarva-dvārāṇiakk pl nalle Pforten
sam-yamyaabsolutivkontolliert habend
manaḥakk sg ndas Gemüt
hṛdilok sg nim Herzen
ni-rudhyaabsolutivzurückgehalten habend, heruntergedrückt habend
ca und
mūrdhnilok sg mim Kopf, in der Stirn
ā-dhāyaabsolutivaufgenommen habend
ātmanaḥgen sg mdes eigenen, für sich selbst
prāṇamakk sg mLebensodem
ā-sthitaḥnom sg m pppsich befindend in, durchgeführt
yoga-dhāraṇāmakk sg fdie Yoga-Konzentration

Wer, nachdem er alle Sinnes-Tore gezügelt hat, das Gemüt ins Herz hinuntergezogen hat, das eigene Prâna in die Stirn gebracht hat, und sich in Yoga-Konzentration begeben hat, …

om ity ekākṣaraṃ brahma   vyāharan mām anu-smaran |
yaḥ prayāti tyajan dehaṃ   sa yāti paramāṃ gatim || 8:13 ||

om Om
iti also
eka-a-kṣaraṃakk sg nden einen Laut
brahmaakk sg ndas Brahman
vi-ā-harannom sg m ppräsaussprechend
māmakk sgmich
anu-smarannom sg m ppräserinnernd
yaḥnom sg mwer
pra-yāti3 p sg präsweg/fortgeht
tyajannom sg ppräsaufgebend
dehamakk sg nden Körper
saḥnom sg mder
yāti3 p sg präsgeht
paramāmakk sg fzum höchsten
gatimakk sg fZiel

… und "Om", welches die eine Silbe Brahman ist, ausspricht, während er sich an mich erinnert wenn er fortgeht und den Körper aufgibt, der geht zum höchsten Ziel.

an-anya-cetāḥ satataṃ   yo māṃ smarati nityaśaḥ |
tasyāhaṃ su-labhaḥ pārtha   nitya-yuktasya yoginaḥ || 8:14 ||

an-anya-cetāḥnom sg mdessen Geist auf nichts anderes gerichtet ist
satatamadvständig
yaḥnom sg mjener, wer
māmakk sgmich
smarati3 p sg präserinnert
nityaśaḥadvständig
tasyagen sg mdessen, für den
ahamnom sgich
su-labhaḥnom sg mleicht zu erreichen
pārthavokoh Pṛthā-Sohn
nitya-yuktasyagen sg mfür den ständig verbundenen
yoginaḥgen sg mfür den Yogi

Wessen Aufmerksamkeit konstant auf nichts anderes gerichtet ist, wer sich immer an mich erinnert, für diesen ständig mir verbundenen bin ich leicht zu erreichen. Arjuna.

mām upetya punar-janma   duḥkhālayam aśāśvatam |
nāpnuvanti mahātmānaḥ   saṃsiddhiṃ paramāṃ gatāḥ || 8:15 ||

māmakk sgmich, zu mir
upa-ityaabsolutivgelangt seiend
punaḥ-janmaakk sg nWiedergeburt
duḥkha-ālayamakk sg ndie Stätte des Leids
a-śāśvatamakk sg nvergänglich
na nicht
āpnuvanti3 p pl prässie erlangen
mahā-ātmānaḥnom pl mGroße Seelen
sam-siddhimakk sg fzur Vollendung
paramāmakk pl fzur höchsten
gatāḥnom pl m pppgegangen

Diese großen Seelen, die zu mir gekommen sind, erlangen nicht mehr eine Wiedergeburt in einer unbeständigen Stätte des Leids. Sie sind zur höchsten Vollendung gekommen.

ā-brahma-bhuvanāl lokāḥ   punar-āvartino 'rjuna |
mām upetya tu kaunteya   punar-janma na vidyate || 8:16 ||

ā bis zu
brahma-bhuvanātabl sg nBrahmās Welt
lokāḥnom pl mdie Welten, Menschen, Leute, Bewohner
punaḥ-ā-vartinaḥnom pl mder Wiederkehr unterworfen, durch Zurückkehr gekennzeichnet
arjunavokArjuna
māmakk sgzu mir, mich
upa-ityaabsolutivherangekommen
tu aber
kaunteyavokon Kuntī-Sohn
punaḥ-janmaakk sg nWiedergeburt
na nicht
vidyate sich findet, es gibt

Bis hin zu Brahmâs Welt sind die Wesen der Wiederkehr unterworfen, Arjuna. Doch wer zu mir kommt, für den gibt es keine Wiedergeburt.

sahasra-yuga-pary-antam   ahar yad brahmaṇo viduḥ |
rātriṃ yuga-sahasrāntāṃ   te 'horātra-vido janāḥ || 8:17 ||

sahasra-yuga-pari-antamakk sg mMit dem Umfang von 1000 Zeitaltern
ahaḥakk sg nder Tag
yatakk sg njener
brahmaṇaḥgen sg mdes Brahmā
viduḥ3 p pl perfektsie wissen, kennen
rātrimakk sg fdie Nacht
yuga-sahasra-antāmakk sg fein Ende bei 1000 Zeitaltern habend
tenom pl msie, diese
ahaḥ-rātra-vidaḥnom pl mTag- und Nacht-Kenner
janāḥnom pl mLeute, Menschen

Diejenigen die den Tag, der tausend Zeitalter umfasst, als Brahmās Tag erkennen ebenso wie die Nacht, die nach tausend Zeitaltern endet, diese Menschen sind Tag-und-Nacht-Kenner

avyaktād vyaktayaḥ sarvāḥ   prabhavanty ahar-āgame |
rātry-āgame pralīyante   tatraivāvyakta-saṃjñake || 8:18 ||

a-vi-aktātabl sg mvom Unmanifestierten
vi-aktayaḥnom pl fdie Manifestationen
sarvāḥnom pl falle
pra-bhavanti3 p pl präsentstehen
ahar-āgamelok sg mbei Anbruch des Tages
rātry-āgamelok sg mbei Anbruch der Nacht
pra-līyante3 p sg präslösen sie sich auf
tatra dort, in dem Platz, dann
eva wahrlich
avyakta-saṃ-jñakelok sg min dem was Unmanifestiert genannt wird

Aus dem Unmanifestierten entstehen alle manifestierten Dinge bei Anbruch des Tages. Bei Anbruch der Nacht werden sie aufgelöst in dem, was das Unmanifestierte heißt.

bhūta-grāmaḥ sa evāyaṃ   bhūtvā bhūtvā pralīyate |
rātry-āgame 'vaśaḥ pārtha   prabhavaty ahar-āgame || 8:19 ||

bhūta-grāmaḥnom sg mdie Schar der Wesen
saḥnom sg mdiese
eva in der Tat
ayamnom sg mdiese
bhūtvā bhūtvāabsolutivwieder und wieder entstehend
pra-līyate3 p sg präs Ātmlöst sich auf
rātry-āgamelok sg mBei Eintreffen der Nacht
a-vaśaḥnom sg munwillkürlich
pārthavokoh Pṛthā-Sohn
pra-bhavati3 p sg präsentsteht
ahar-āgamelok sg mbei Anbrechen des Tages

Die Schar der Wesen die wieder und wieder entstehen, löst sich bei Beginn der Nacht auf, Arjuna, und entsteht unwillentlich bei Anbrechen des Tages.

paras tasmāt tu bhāvo 'nyo   'vyakto 'vyaktāt sanātanaḥ |
yaḥ sa sarveṣu bhūteṣu   naśyatsu na vinaśyati || 8:20 ||

paraḥnom sg mhöher
tasmātabl sg mdeshalb
tu aber
bhāvaḥnom sg mSeinszustand
anyaḥnom sg manderer
a-vi-aktaḥnom sg munmanifestierter
a-vi-aktātabl sg mals der unmanifestierte
sanātanaḥnom sg mder ewige
yaḥnom sg mjener
saḥnom sg mwelcher, der
sarveṣulok pl mbei allen
bhūteṣulok pl mbei den Wesen
naśyatsulok pl m ppräsbei Untergehen, Vernichtet werden
na nicht
vinaśyati3 p sg präsvergeht

Höher aber als dieses Unmanifestierte ist darum ein anderer unoffenbarer ewiger Seinszustand, der nicht vergeht wenn alle Wesen vergehen.

avyakto ’kṣara ity uktas   tam āhuḥ paramāṃ gatim |
yaṃ prāpya na nivartante   tad dhāma paramaṃ mama || 8:21 ||

a-vi-aktaḥnom sg m pppdas unmanifestierte
a-kṣaranom sg munvergängliche
iti also
uktaḥnom sg m pppgenannt
tamakk sg mdas
āhuḥ3 p pl perfektsie nennen
paramāmakk sg fdas höchste
gatimakk sg fZiel
yamakk sg mwelches
pra-āpyaabsolutiverreicht habend
na nicht
ni-vartante3 p pl präs Ātmsie kehren zurück
tatnom sg ndas
dhāmanom sg nWohnstätte
paramamnom sg nhöchste
mamagen sgmeine

Unmanifestiert, unvergänglich, so wird er genannt. Dies nennt man das höchste Ziel. Diejenigen, die es erlangt haben, kommen nicht wieder zurück. Das ist meine höchste Wohnstatt.

puruṣaḥ sa paraḥ pārtha   bhaktyā labhyas tv an-anyayā |
yasyāntaḥ-sthāni bhūtāni   yena sarvam idaṃ tatam || 8:22 ||

puruṣaḥnom sg mder Geist, das Urwesen
saḥnom sg mdieser
paraḥnom sg mhöchster
pārthavokon Pṛthā-Sohn
bhaktyāinst sg fdurch Hingabe
labhyaḥnom sg m gerundiverreichbar, ist zu erreichen
tu aber
an-anyayāinst sg fnicht durch anderweits gerichtet
yasyagen sg mwessen
antaḥ-sthāninom pl nim Inneren sich befindlich
bhūtāninom pl nWesen
yenainst sg mmit dem
sarvamnom sg nalles
idamnom sg ndies
tatamnom sg n pppausgebreitet ist

Dieses höchste Bewusstsein, Arjuna, in dessen Inneren sich die Wesen befinden und von dem alles dieses ausgebreitet wurde, ist durch Hingabe, die nichts anderem gilt, erreichbar.

yatra kāle tv anāvṛttim   āvṛttiṃ caiva yoginaḥ |
prayātā yānti taṃ kālaṃ   vakṣyāmi bharatarṣabha || 8:23 ||

yatra zu welchem
kālelok sg mZeitpunkt
tu aber
an-ā-vṛttimakk sg fzur Nichtwiederkehr
ā-vṛttiṃakk sg fzur Wiederkehr
ca und
eva in der Tat
yoginaḥnom pl mdie Yogis
pra-yātāḥnom pl mgestorben
yānti3 p pl präsgehen
tamakk sg mdiese
kālamakk sg mZeit
vakṣyāmi1 p sg futwerde ich sagen
bharata-ṛṣabhavokoh Stier der Bharatas

Zu welchem Zeitpunkt gestorbene Yogis zur Nichtwiederkehr oder Wiederkehr gehen, diesen Zeitpunkt werde ich dir sagen, Arjuna.

agnir jyotir ahaḥ śuklaḥ   ṣaṇmāsā uttarāyaṇam |
tatra prayātā gacchanti   brahma brahma-vido janāḥ || 8:24 ||

brahma-vidaḥnom pl mBrahman-kennende
janāḥnom pl mLeute, Menschen
agniḥnom sg mFeuer(gott)
jyotiḥnom sg ndas Licht
ahaḥnom sg nder Tag
śuklaḥnom sg mbei zunehmendem Mond
ṣaṭ-māsāḥnom pl mdie 6 Monate
uttara-ayaṇamnom sg nder Weg nach Norden [der Sonne]
tatra dort, dann
pra-yātāḥnom pl m pppdie Gestorbenen, Gegangenen
gacchanti3 p pl präsgehen
brahmaakk sg nzu Brahman

Feuer, Licht, Tag, zunehmender Mond, die sechs Monate in denen die Sonne nordwärts wandert: – brahmankundige Menschen, die dann sterben, gehen zum Brahman .

dhūmo rātris tathā kṛṣṇaḥ   ṣaṇmāsā dakṣiṇāyanam |
tatra cāndramasaṃ jyotir   yogī prāpya nivartate || 8:25 ||

dhūmaḥnom sg mRauch, Dunst, Nebel
rātriḥnom sg fNacht
tathā ebenso
kṛṣṇaḥnom sg mbei abnehmendem Mond
ṣaṭ-māsāḥnom pl mdie 6 Monate
dakṣiṇa-ayanamnom pl nder Weg nach Süden [der Sonne]
tatra dort, dann
cāndramasamakk pl ndas lunare
jyotiḥakk sg ndas Licht
yogīnom sg mder Yogi
pra-āpyaabsolutiverlangt habend
ni-vartate3 p sg präs Ātmkehrt zurück

Dunst, Nacht, ebenso abnehmender Mond, die sechs Monate der sübwärts wandernden Sonne: – dann erlangt der Yogi das Mondeslicht und kehrt zurück.

śukla-kṛṣṇe gatī hy ete   jagataḥ śāśvate mate |
ekayā yāty anāvṛttim   anyayāvartate punaḥ || 8:26 ||

śukla-kṛṣṇenom dual fder helle und der dunkle
gatīnom dual fbeiden Wege
hi nämlich
etenom dual fdiese beiden
jagataḥgen sg nfür die Welt, für das Universum
śāśvatenom dual fewig, dauerhaft
matenom dual fgedacht, angenommen
ekayāinst sg fdurch einen
yāti3 p sg präs(man) geht
an-ā-vṛttimakk sg fzur Nichtwiederkehr
anyayāinst sg fdurch den anderen
ā-vartate3p sg präs Ātmman kehrt zurück
punaḥadvwieder

Diese beiden Wege, der helle und der dunkle, werden für die Welt als dauerhaft angesehen. Auf dem einen gelangt man zur Nichtwiederkehr, auf dem anderen kehrt man wieder zurück.

naite sṛtī pārtha jānan   yogī muhyati kaś cana |
tasmāt sarveṣu kāleṣu   yoga-yukto bhavārjuna || 8:27 ||

na nicht
etenom dual fdiese beiden
sṛtīnom dual fWege
pārthavokoh Pṛthâ-Sohn
jānannom sg m ppräswissend, erkennend
yogīnom sg mder Yogi
muhyati3 p sg präswird verwirrt
kaś cananom sg mwer auch immer, irgendein
tasmātabl sgdeshalb
sarveṣulok pl mzu allen
kāleṣulok pl mZeiten
yoga-yuktaḥnom sg mverbunden im Yoga, Yoga praktizierend
bhava2 p sg imperativsie
arjunavokoh Arjuna

Kein Yogi, der diese beiden Wege erkennt, ist verwirrt. Deshalb sei zu allen Zeiten yogaverbunden, Arjuna.

vedeṣu yajñeṣu tapaḥsu caiva
dāneṣu yat puṇya-phalaṃ pradiṣṭam |
atyeti tat sarvam idaṃ viditvā
yogī paraṃ sthānam upaiti cādyam || 8:28 ||

vedeṣulok pl min den Veden
yajñeṣulok pl min den Weihehandlungen
tapaḥsulok pl min Kasteiungen
ca und
eva in der Tat
dāneṣulok pl nin milden Gaben
yatakk sg ndas was
puṇya-phalamakk sg nTugend-Frucht
pra-diṣṭamakk sg n pppzukommen gelassen, gewährt, erteilt
ati-eti3 p sg präser übersteigt
tatakk sg ndas
sarvamakk sg nalles
idamakk sg ndies
viditvāabsolutivverstanden habend
yogīnom sg mder Yogi
paramakk sg nzum höchsten
sthānamakk sg nStandort
upa-eti3 p sg präserlangt
ca und
ādyamakk sg neinzigartig, uranfänglich

Was Vedastudium, Opferhandlungen, Kasteiungen und milde Gaben an Tugendfrüchten zukommen lassen, über all das geht der Yogi hinaus nachdem er dies erkennt hat und gelangt zum höchsten uranfänglichen Standort.

oṃ tat sat iti śrīmadbhagavadgītāsūpaniṣatsu brahmavidyāyāṃ yogaśāstre śrīkṛṣṇārjunasaṃvāde akṣara-brahma-yogo nāmāṣṭamo 'dhyāyaḥ

Om tat sat. Also lautet in den Upanishaden der Bhagavadgita, der Brahmanwissenschaft, dem Yogalehrbuch, dem Gespräch zwischen Srî Krishna und Arjuna, das achte Kapitel, Yoga des unvergänglichen Brahmans.

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