
INHALT: Die gegnerischen Heere sind kampfbereit aufgestellt – Arjuna mit Krishna als Wagenlenker auf einem großen Streitwagen – Halt zwischen den Fronten – Arjuna erkennt, dass er Familie und Gurus töten muss – Depression: Arjuna will aufgeben.
Om, dem glückverheißenden höchsten Selbst Verneigung.
Hier beginnt der glorreiche Gesang des Herrlichen, erstes Kapitel.
Dhritarâshtra sprach —
Auf dem Feld des Dharma, zu Kurukshetra, was taten dort die Meinen und die Pandu-Söhne, als kampfbegierig sie zusammenkamen, Sanjaya? (1:1)
(Dhritarâshtra ist der blinde Vater von Duryodhana und dessen Brüdern. Die Gegner sind die fünf Söhne des bereits verstorbenen Pandu. Einer davon ist Arjuna. Dhritarâshtra wird vom hellsichtigen Sanjaya über das Geschehen auf dem Laufenden gehalten.)
Sanjaya sprach —
Als König Duryodhana die ausgedehnte Front der Pându-Söhne sah trat er an seinem Lehrer heran und sagte dieses Wort: (1:2)
(Duryodhana ist der älteste Sohn des Dhritarâshtra, hatte die Königswürde an sich gerissen und den Pandu-Söhnen den versprochene Anteil des Königreichs vorenthalten. Drona hatte sowohl die Dritarâshtra-Söhne wie die Pandu-Sohne in der Kriegskunst unterwiesen.)
O Lehrer, sieh diese große Division der Pându-Söhne, aufgestellt von Drupadas Sohn, deinem gelehrigen Schüler. (1:3)
(Duryodhana ärgert sich darüber, dass seine Gegner ebenfalls bei Drona gelernt hatten.)
Dort sind tapfere Bogenschützen, dem Bhîma und Arjuna im Kampfe ebenbürtig, Yuyudhâna, Virâta und Drupada der große Wagenkämpfer, … (1:4)
… Dhrishtaketu, Chekitâna und der heldenhafte König von Benares, Purujit und Kuntighoja und Shaibya, der Stier unter den Männern, … (1:5)
… der kühne Yudhâmanyu und der heldenhafte Uttamaujâ und Subadrâs Sohn und Draupadis Söhne, alles große Wagenkämpfer. (1:6)
Aber auch die Ausgezeichneten der Unseren beachte, o Bester der Brahmanen. Die Anführer meiner Truppen nenne ich dir informationshalber. (1:7)
(„Bester der Brahmanen“ ist eine höfliche Anrede für Drona.)
Eure Exzellenz, Bhîshma und Karna und der im Kampf siegreiche Kripa, und auch Asvatthâmâ, Vikarna und ebenso der Somadatta-Sohn. (1:8)
Und zahlreiche andere Helden, die um meinetwillen ihr Leben riskieren, die mit verschiedenen Waffen angreifen, alle kampferfahren. (1:9)
Ungenügend ist die Heeresmacht unter Bhîmas Kommando im Vergleich zu unserer. Reichlich bemessen jedoch – verglichen mit denen – ist unsere Heeresmacht unter Bhîshmas Kommando. (1:10)
(Bhîshma ist der Urgroßonkel beider Streitparteien, er kämpft auf Duryodhanas Seite. Bhîma ist Arjunas jüngerer Bruder und der körperlich stärkste der Pandu-Söhne. Die Armee der Pandu-Söhne kleiner ist als die der Dhritârshtra-Söhne.)
All ihr Herrschaften! An allen Zugängen sollt ihr, jeder entsprechend seiner Stationierung, auf jeden Fall den Bhîshma beschützen. (1:11)
Um bei Duryodhana Kampfeslust hervorzurufen, stieß der greise Kuru-Ahnherr ein Löwengebrüll aus und bließ laut in sein Muschelhorn, voll innerem Feuer. (1:12)
(Der greise Kuru-Ahnherr ist Bhîshma. Kuru ist ein Vorfahre des Königsgeschlecht.)
Dann wurden mächtig die Muschelhörner und Kesselpauken, Schellen und Trommeln und Jagdhörner angeschlagen und der Lärm war gewaltig. (1:13)
Krishna und Arjuna, die auf einem großen mit weißen Pferden bespannten Streitwagen standen, bließen daraufhin laut in ihre himmlischen Muschelhörner. (1:14)
Krishna bließ auf der von Panchajana erbeuteten Muschel, Arjuna auf Gottgegeben, Bhîma von schrecklichen Taten und unersättlichem Appetit bließ auf der vom Fürsten Paundra erbeuteten Großmuschel. (1:15)
(Die Muscheln sind Trophäen, deren Namen oft angeben, von wem sie im Kampf erbeutet wurden.)
König Yudhishthira, der Kuntîsohn, bließ auf Unendlicher Sieg, und Nakula und Sahadeva bliesen auf Wohlklang und Blumenhand. (1:16)
(Yudhishthira ist der älteste der fünf Pandu-Brüder und sollte eigentlich König sein, was Duryodhana verhindert hatte. Nakula und Sahadeva sind die jüngsten der Brüder.)
Dieser Lärm zerriss die Herzen der Dhritarâshtra-Söhne und der Tumult brachte Himmel und Erde zum Vibrieren. (1:19)
Als Arjuna, der einen Affen im Banner trug, die Dhritarâshtra-Söhne in Kampfaufstellung sah und der Waffengang anstand, erhob er seinen Bogen. (1:20)
Zu Krishna sagte er dann dieses Wort, o König:
Arjuna sprach —
In der Mitte beider Armeen bringe meinen Wagen zum Stehen, Krishna, (1:21)
so dass ich erkenne, wer kampfbegierig aufgestellt ist, und gegen wen ich zu kämpfen habe in dieser Schlacht, (1:22)
dass ich die Kampfbereiten sehe, die hier zusammengekommen sind, und die beabsichtigen, dem übelgesonnenen Dritarâshtra-Sohn im Kampf einen Dienst zu leisten. (1:23)
Sanjaya sprach —
Also angesprochen von Arjuna, o König, brachte Krishna den erstklassigen Streitwagen in der Mitte beider Armeen zum Halten. (1:24)
Und im Angesicht von Bhîshma und Drona und aller Erdenfürsten sagte er: „Arjuna, sieh diese zusammengekommenen Kurus!“ (1:25)
Dort sah Arjuna Vaterbrüder und Großväter stehen, Lehrer, mütterliche Onkel, Cousins, Neffen, Enkel und Kameraden. (1:26)
Schwiegerväter wie auch Freunde, zudem in beiden Heeren, diese Verwandten sah Arjuna alle aufgestellt. (1:27)
Von äußerstem Mitgefühl erfasst sagte er verzweifelt dieses:
Arjuna sprach —
Die eigene Familie zum Kampf aufgestellt sehend, (1:28)
ermatten meine Glieder, mein Mund trocknet aus, ein Zittern erfasst meinem Körper, und es sträuben sich mir die Haare. (1:29)
Ich wünsche weder den Sieg, Krishna, noch das Königreich, noch Glück. Was soll ich mit dem Königreich, Krishna, was soll ich mit Genüssen oder gar dem Leben? (1:32)
Die, um derenwillen wir Königreich, Genüsse und Annehmlichkeiten ersehnen, die sind zum Kampf angetreten, Leben und Gütern entsagend. (1:33)
O Schande, wir sind entschlossen ein großes Übel zu tun, indem wir, durch Gier nach Königreich und Glück, bereit sind, die eigene Familie zu töten. (1:45)
Es wäre mir lieber, wenn mich, wiederstandlos und unbewaffnet, die Waffen tragenden Dhritarâshtra-Söhne töten würden. (1:46)
Sanjaya sprach —
Nachdem er in der Schlacht so gesprochen hatte, ließ sich Arjuna auf den Wagensitz nieder, warf Bogen samt Pfeilen fort, mit von Kummer erschüttertem Gemüt. (1:47)
Om tat sat. Also lautet in den Upanishaden der Bhagavadgita, der Brahmanwissenschaft, dem Yogalehrbuch, dem Gespräch zwischen Srî Krishna und Arjuna, das erste Kapitel, genannt Arjunas Verzweiflung.
nur Übersetzung:
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mit Sanskrit:
Gîtâdhyânam
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