Bhagavad-Gita, 2. Kap., 1-53: Argumente und Yoga

Bhagavad-Gita, indische Ausgabe
Indische Ausgabe der Bhagavad-Gita

(Vorläufige Übersetzung, die ab und zu verbessert wird.) Einleitung

Wort-für-Wort grammatische Analyse und Vokabeln des Sanskrittexts:

Gita-Dhyanam   Kap.1    2 (1.Teil)    2 (2.Teil)    3    4    5    6    7    8    9    10    11    12    13    14    15    16    17    18 


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mit Anmerkungen

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Benutzte Hilfsmittel

INHALT: ­Arjuna bittet Krishna um Unterweisung — Der menschliche Körper ist wie ein Kleidungsstück des Verkörperten — Das Echte ist Unzerstörbar — Die eigene Lebensaufgabe ist zu beachten — (ab Vers 54) Der in Weisheit Gefestigte

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Om, dem glückverheißenden höchsten Selbst Verneigung.
Hier beginnt das zweite Kapitel.


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Sanjaya sprach —

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Zu dem von Mitgefühl ergriffenen, dem Verzweifelten, dessen Augen verwirrt und voller Tränen waren, sagte Krishna daraufhin dieses Wort: ­­­(2:1)


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Der Herrliche sprach —

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Woher ist diese Verzagtheit in der Gefahr an dich herangetreten? Das gefällt dem Edlen nicht, führt nicht zum Himmel, bringt Schande, Arjuna! ­­­(2:2)


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Gehe nicht zur Unmännlichkeit, Arjuna, dass passt nicht zu dir. Entsage dieser kleinlichen Herzensschwäche und erhebe dich, du Feindezüchtiger! ­­­(2:3)


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Arjuna sprach —

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Wie soll ich in der Schlacht den Bhīshma und den Drona mit Pfeilen bekämpfen? Beide sind verehrungswürdig, Krishna. ­­­(2:4)


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Die Gurus, die Hochedlen, nicht zu töten, ist besser, selbst beim Davontragen des Bettlerdasein in dieser Welt. Habe ich die Gurus, die auf ihren Vorteil aus sind, getötet, kann ich auf Erden nur noch blutbeschmierte Freuden genießen. ­­­(2:5)


­­­­ ­­­­

Und wir wissen nicht, was von beiden besser für uns ist: dass wir siegen oder dass sie uns besiegen würden. Wenn wir diese vor uns aufgereihten Dhritarāshtra-Söhne getötet haben, möchten wir auch nicht mehr leben. ­­­(2:6)


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Mein Wesen ist erschlagen von Elend und Schuld, mein Geist verwirrt bezüglich des Dharmas, ich frage dich, was das Bessere wäre, sage es mir entschieden. Ich bin dein Schüler. Lehre mich, der ich Zuflucht zu dir genommen habe. ­­­(2:7)


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Nicht erkenne ich, was meinen brenneden Schmerz vertreiben könnte, der meine Sinne verzehrt, selbst wenn ich auf Erden ein wohlhabendes Königreich ohne Rivalen erlangt hätte oder gar die Oberherrschaft über die Götter. ­­­(2:8)


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Sanjaya sprach —

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Nachdem Arjuna so zu Krishna gesprochen hatte, o König, sagte er zu ihm: „Ich kämpfe nicht“, und schwieg. ­­­(2:9)

(­„O König“, Sanjaya redet damit Dhritarâshtra an, dem er dies alles berichtet.­)


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Zu ihm, dem Verzweifelten, sprach Krishna, gleichsam auflachend, o König, in der Mitte beider Armeen dieses Wort: ­­­(2:10)


­­­­ ­­­

Der Herrliche sprach —

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Den Nichtbeklagenswerten hast du nachgetrauert und sprichst dabei Worte der Weisheit. Die Kundigen trauern weder über die Toten noch über die Lebenden. ­­­(2:11)


­­­­ ­­­­

Es gibt keinen Zeitpunkt zu dem ich nicht existierte, noch du, noch diese Fürsten, und auch in Zukunft werden wir alle nicht aufhören zu sein. ­­­(2:12)


­­­­ ­­­­

Wie es für den Körperhabenden in diesem Körper Kindheit, Jugend, Alter gibt, ebenso gibt es das Erlangen eines anderen Körpers. Der Gefestigte ist darüber nicht verwirrt. ­­­(2:13)


­­­­ ­­­­

Die Berührungen mit materiellen Elementen, Arjuna, geben Kälte, Hitze, Angenehmes und Unangenehmes, sie kommen und gehen und sind unbeständig. Erdulde sie mit innerer Stärke, Arjuna. ­­­(2:14)


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Der Mensch, Arjuna, den sie nicht aus der Ruhe bringen, der gleich gegenüber Unangenehm und Angenehm ist, innerlich gefestigt, der ist bereit für die [Erfahrung der] Unsterblichkeit. ­­­(2:15)


­­­­ ­­­­

Vom Unwirklichen gibt es kein Sein, vom Wirklichen gibt es kein Nichtsein. Die Essenz von diesen beiden wird von den Wahrheitssehern gesehen. ­­­(2:16)


­­­­ ­­­­

Als Unzerstörbar wisse das, was all dies ausgebreitet hat. Niemand kann die Zerstörung dieses Unzerstörbaren bewirken. ­­­(2:17)


­­­­ ­­­­

Ein Ende, heißt es, haben diese Körper des ewigen Körperhabenden, des Unzerstör- und Unabmessbaren. Deshalb kämpfe, Arjuna. ­­­(2:18)


­­­­ ­­­­

Wer diesen als Tötenden ansieht, und wer diesen als getötet glaubt, beide haben kein tiefes Verständnis. Weder tötet dieser, noch wird er getötet. ­­­(2:19)


­­­­ ­­­­

Nicht wird er geboren noch stirbt er je. Er ist nicht [etwas was] entstanden ist und wieder aufhört zu sein. Ungeboren, ewig, ununterbrochen bleibend, uralt, wird er nicht getötet, wenn der Körper getötet wird. ­­­(2:20)


­­­­ ­­­­

Wer diesen Unzerstörbaren, Ewigen, Ungeborenen, Unvergänglichen kennt, Arjuna, wie könnte dieser Mensch jemanden töten lassen oder jemanden töten? ­­­(2:21)


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Wie ein Mensch abgetragene Kleider ablegt und andere, neue ergreift, so legt der Körperhabende abgenutzte Körper ab und geht in andere neue. ­­­(2:22)


­­­­ ­­­­

Nicht schneiden ihn Waffen, nicht brennt ihn Feuer, Gewässer machen ihn nicht nass, Wind trocknet ihn nicht aus. ­­­(2:23)


­­­­ ­­­­

Unzerschneidbar ist er, unverbrennbar, unbefeuchtbar, unaustrockenbar, ewig, allgegenwärtig, fest, unbeweglich, uranfänglich. ­­­(2:24)


­­­­ ­­­­

Nichtoffenbar ist er, nicht vom Denken erfassbar, unveränderbar, heißt es. Wenn du ihn so verstanden hast, brauchst du ihm nicht nachzutrauern. ­­­(2:25)


­­­­ ­­­­

Wenn du ihn jedoch als beständig geboren werdend und beständig sterbend ansiehst, auch dann, Arjuna, brauchst du keinen Schmerz für ihm zu leiden. ­­­(2:26)


­­­­ ­­­­

Für den Geborenen gibt es einen sicheren Tod, und eine sichere Geburt gibt es für den Gestorbenen. Deshalb brauchst du bei diesem unvermeidlichen Sachverhalt nicht zu klagen. ­­­(2:27)


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Unmanifestiert sind Gewordene am Anfang, manifestiert in der Mitte ihrer Existenz und unmanifestiert zum Ende. Für welche Klage ist dies ein Anlass? ­­­(2:28)


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Verwundert schaut ihn irgendjemand, verwundert spricht so davon ein anderer, verwundert hört ein anderer von ihm, doch niemand, der nur von ihm gehört hat, versteht ihn. ­­­(2:29)


­­­­ ­­­­

Der Körperhabende im Körper von allen ist ewig unverletzlich, Arjuna. Deshalb brauchst du um kein Gewordenes zu klagen. ­­­(2:30)


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Und auch in Hinblick auf die eigene Lebensaufgabe brauchst du nicht zu verzagen, denn etwas Besseres als den gerechten Kampf findet sich für den Krieger nicht. ­­­(2:31)


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Unerwarteter Weise hat sich eine geöffnete Himmelpforte ergeben. Glücklich sind die Krieger, Arjuna, die einen solchen Kampf erlangen. ­­­(2:32)


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Doch wenn du diesen rechtschaffenden Kampf nicht angehen wirst, dann hast du deine Lebensaufgabe und deinen Ruhm verworfen und wirst Unheil erlangen. ­­­(2:33)


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Schande werden die Wesen von dir berichten, unvergängliche! Für den Geachteten übertrifft Schande den Tod. ­­­(2:34)


­­­­ ­­­­

Die großen Wagenkrieger werden denken, dass du von der Schlacht aus Furcht zurückgetreten bist. Bei denen, für die du hochgeachtet warst, wirst du zur Bedeutungslosigkeit gehen. ­­­(2:35)


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Deine Feinde werden viele Worte sprechen, die nicht gesagt werden sollten und werden sich über deine Stärke lustig machen. Was ist schmerzhafter als das? ­­­(2:36)


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Entweder wirst du als Getöteter den Himmel erlangen oder als Sieger die Erde genießen. Deshalb erhebe dich, Arjuna, zum Kampf entschlossen. ­­­(2:37)


­­­­ ­­­­

Nachdem du dir Angenehmes und Unangenehmes, Gewinn und Verlust, Sieg und Niederlage gleichbedeutend gemacht hast, konzentriere dich auf den Kampf. So wirst du keine Schuld erlangen. ­­­(2:38)


­­­­ ­­­­

Dies ist die Einsicht, die dir in Abwägung des Für und Wider erklärt wurde. Doch höre sie aus der Anwendung. Verbunden mit dieser Einsicht, Arjuna, wirst du die Karmafesseln ablegen können. ­­­(2:39)


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Hier ist keine Anstrengung nutzlos, eine nachteilige Wirkung gibt es nicht, schon ein bisschen dieses Weges schützt vor großer Gefahr. ­­­(2:40)


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Entschlossen und geeint ist hier die Einsicht, Arjuna. Vielverzweigt und endlos aber sind die Einsichten der Unentschlossenen. ­­­(2:41)


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Jene blumenreiche Rede, die diejenigen ohne inspiriertes Bewusstsein verkünden, wobei sie sich an Veda-Worten ergötzen und behaupten, nichts anderes sei wahr, … ­­­(2:42)


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– da geht um die aus Handlungsfrüchten resultierende Wiedergeburt, eine Vielzahl besonderer Riten und den Weg zu Genuss und Macht. Die Verkünder sind wunschgetrieben mit dem Himmel als Ziel. ­­­(2:43)


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Den an Genuss und Macht klebenden wird durch diese Rede das klare Bewusstseins geraubt. Ihnen wird keine entschlossene Einsicht in meditativer Einswerdung gegeben. ­­­(2:44)


­­­­ ­­­­

Der Bereich, auf den sich die Veden beziehen, ist durch die drei Gunas charakterisiert. Sei frei von den drei Gunas, Arjuna, frei von den Gegensatzpaaren, im ewigen Sein gefestigt, ohne Sorge um Erhalt deines Wohlstands, in dir selbst ruhend. ­­­(2:45)


­­­­ ­­­­

So viel Nutzen wie ein Brunnen dort hat, wo von allen Seiten Wasser zusammenfließt, so viel Nutzen ist in allen Veden für den wissenden Gottesgelehrten. ­­­(2:46)


­­­­ ­­­­

Im Tun ist dein Wirkbereich, nicht in den Ergebnissen. Lasse nicht die Frucht des Tuns dein Beweggrund sein, noch sei der Tatenlosigkeit verhaftet. ­­­(2:47)


­­­­ ­­­­

In Yoga gefestigt vollbringe Taten, nachdem du die Anhaftung losgelassen hast, Arjuna, und in Erfolg und Misserfolg der Gleiche bleibst. Gleichmut wird Yoga genannt. ­­­(2:48)


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Tun steht weit unterhalb der Anwendung der Einsicht, Arjuna. Suche Zuflucht in der Einsicht. Erbärmlich sind die durch Ergebnisse Motivierten. ­­­(2:49)


­­­­ ­­­­

Der mit der Einsicht Verbundene legt in dieser Welt beides ab: gutgetan und schlechtgetan. Deshalb übe Yoga: Yoga ist segenreiches Geschick in Handlungen. ­­­(2:50)


­­­­ ­­­­

Nachdem die mit der Einsicht verbundenen Weisen die aus Tun entstandenen Ergebnisse losgelassen haben, sind sie befreit vom Zwang zur Wiedergeburt und gelangen zum Zustand ohne Krankheit. ­­­(2:51)


­­­­ ­­­­

Wenn deine Einsicht das Dickicht der Verwirrung überwunden hat, wirst du zur Gleichgültigkeit gegenüber zu Hörendem und Gehörtem gelangen. ­­­(2:52)


­­­­ ­­­­

Wenn deine vom Gehörtem verunsicherte Einsicht unerschütterlich gefestigt sein wird, unwankend in meditativer Einswerdung, dann wirst du Yoga erlangen. ­­­(2:53)


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Wenn du meinst, du weißt es gut, dann weißt du wahrlich jetzt nur wenig von der Natur des Brahman. Das, was davon du bist, das was davon unter den Göttern ist, also nun sollte es von dir geprüft werden, der du denkst es zu wissen. ­­­(2:1)


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Ich denke nicht, dass ich es gut kenne: weder kenne ich es nicht, noch kenne ich es. Wer von uns das versteht, der weiß: weder kenne ich es nicht noch kenne ich es. ­­­(2:2)


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Für wen es nichts Gedachtes dazu gibt, der hat richtig gedacht, für wen es etwas Gedachtes dazu gibt, der weiß es nicht. Etwas Unerkanntes ist es für die, die tief verstehen. Etwas Erkanntes für die die nicht tief verstehen. ­­­(2:3)


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Wer durch die Erkenntnis des Erwachens verstanden hat findet Unsterblichkeit, durch sich selbst findet er Stärke, durch Wissen findet er Seligkeit. ­­­(2:4)


­­­­ ­­­­

Wenn man es in dieser Welt erkennt, dann ist es echt. Wenn man es in dieser Welt nicht erkennt ist das ein großer Verlust. ­­Nachdem sie es in diesen und jenen Wesen wahrgenommen haben, werden die Weisen unsterblich wenn sie fortgegangen sind aus dieser Welt. ­(2:5)


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Dieses war in der Kena-Upanishad der zweite Abschnitt­

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